Montag 20 November 2017

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Osteologisches Schwerpunktzentrum

Wörtlich übersetzt bedeutet Osteoporose "Loch im Knochen“ (griechisch: osteo = Knochen, poros = Loch). In der Umgangssprache wird Osteoporose allerdings häufig auch als Knochenschwund bezeichnet.


Osteoporose ist eine systemische Skeletterkrankung, die durch eine niedrige Knochenmasse und eine Störung der Mikroarchitektur des Knochengewebes mit konsekutiv erhöhter Knochenbrüchigkeit und erhöhtem Frakturrisiko charakterisiert ist.
Bei der Osteoporose handelt es sich um eine Erkrankung, die das gesamte Skelett betrifft.
Dabei kommt es zu einem krankhaft vermehrten Abbau von Knochengewebe, die Knochen werden porös, verlieren allmählich an Festigkeit und Stabilität. Die Erkrankung beginnt schleichend und wird oft zu spät bemerkt. Bereits geringe Belastungen können zu Knochenbrüchen führen. Besonders gefährdet ist die Wirbelsäule, da auf ihr das gesamte Körpergewicht lastet. Die porösen Wirbel verformen sich. Sind mehrere Wirbel betroffen, sinkt die Wirbelsäule in sich zusammen, der typische Rundrücken, auch "Witwenbuckel" genannt, entsteht.

Die Körpergröße nimmt ab, heftige Rückenschmerzen treten auf und alltägliche Bewegungsabläufe, wie Stehen und Laufen werden zur Qual. Schenkelhalsfrakturen sind gefürchtete Folgen der Osteoporose, da heute noch über 20 % der Patienten mit einer Schenkelhalsfraktur im 1. Jahr sterben, weitere 20 % bleiben in ihren Aktivitäten des täglichen Lebens behindert. Besonders Stürze führen zu Wirbel-, Schenkelhals-, Unterarm-und Oberarmkopffrakturen. Das Risiko, zu fallen und sich zu verletzen kann minimiert werden, wenn "Stolperfallen", riskante Putzmanöver, lose Kabel oder schlechte Beleuchtung vermieden werden und die Muskulatur trainiert wird. Diagnostiziert wird die Osteoporose aufgrund des klinischen Bildes, Labor-und Röntgenuntersuchungen und durch eine Knochendichtemessung.

Risikofaktoren für eine Osteoporose :

  • Auftreten von Osteoporose bei direkten Verwandten (erbliche, nicht beeinflussbare Disposition)
  • calciumarme Ernährung
  • phosphatreiche Ernährung, z.B. Fleisch, Wurstwaren, Cola
  • unzureichende Vitamin-D-Versorgung
  • Bewegungsarmut
  • Mangel an weiblichen Sexualhormon (z. B. in den Wechseljahren)
  • Einnahme von bestimmten Medikamenten über lange Zeit (z.B. Cortison, Oprazol gegen Magensäure, bestimmte Diabetes-Medikamente -Glitazone)
  • sturzbegünstigende Medikamente (Sedativa, Antidepressiva -Antiepileptika, Antiöstrogene bei Brustkrebs, Antiandrogene bei Prostatakrebs)
  • Übermäßiger Genuss von Alkohol und Nikotin Untergewicht (BMI unter 20)
  • Unterernährung (mind. 20 g Eiweiß/Tag, lt. DGE sogar 0,8 g Eiweiß pro kg Körpergewicht pro Tag notwendig)
  • Rheumatische Erkrankungen

 

Unsere komplexe Osteoporoserehabilitation, die die frühe Wiederherstellung oder Erhaltung der Arbeitsfähigkeit bzw. die Verbesserung der Pflegebedürftigkeit (z.B. Bettlägrigkeit oder rollstuhlfahrende Patienten wieder zum Laufen bringen) umfasst, beinhaltet folgende Schwerpunkte :

Überprüfung bzw. Sicherung der Diagnose (Klinik, Labor, Röntgenuntersuchung und Knochendichtemessung an Wirbelsäule,
Schenkelhals und Unterarm)

Überprüfung und eventuelle Optimierung der medikamentösen Therapie nach neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Schmerzbehandlung durch Medikamente (besonders am Anfang der Behandlung),intensive Physiotherapie (Massagen,
Elektrotherapie, Haslauer Wanne),Akupunktur, Infiltration der Schmerzpunkte, Schmerzbewältigung in der Gruppe.

Bewegungstherapie, schmerzabhängig, beginnend im Wasser bis zur medizinischen Trainingstherapie einschließlich Training der Proprioreception (Posturomed), Übung am Gallileo (Gerät zum Training der Muskelkraft, der Balancereaktion und zum Aufbau der Knochenmasse) sowie Koordinations- und Gleichgewichtsübungen als Sturzprophylaxe.

Verordnung von orthopädischen Hilfsmitteln (elastische Stützbandage zur Frühmobilisation von Schmerzpatienten, Einkaufshilfen)

Ergotherapie mit Hinweisen zur Bewältigung und dem Training der Aktivitäten des täglichen Lebens einschließlich Sturzprophylaxe

Betreuung durch einen erfahrenen Psychologen bzw. durch einen Facharzt für Psychotherapeutische Medizin :
Schmerz- und Krankheitsbewältigung, Entspannungstechniken, Motivation zur Bewältigungstherapie und Aufbau neuer Lebensziele

Ernährungsberatung und Lehrküche duch eine erfahrene Diätassistentin (kalzium- und Vitamin-D reiche Nahrung)

Vortrag zur Krankheitsaufklärung mit Hinweisen zur Sturz- und Knochenbruchprophylaxe

Sozialberatung (Regeln von Problemen des täglichen Lebens, Wohnungswechsel, Pflegehilfen)

Mitbehandlung von Herz- Kreislauf- bzw. Stoffwechselerkrankungen durch unsere internistische Abteilung

Beratung zum Anschluss an eine Osteoporoseselbsthilfegruppe